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Dunkelflaute mit Power-to-Gas überwinden und Vor-Ort-Strom ausbauen

Zwei neue Studien beleuchten, wie es mit der Energiewende weitergehen muss!

 

Die Haleakala Stiftung hat eine neue Studie vorgestellt, in welcher die herausragende Bedeutung der dezentralen Energieerzeugung im Mittelpunkt steht.

Die Kernthese lautet, dass die dezentrale Stromversorgung im Energiemarkt der Zukunft eine substantiell wachsende Bedeutung erfährt. Erzeugung und Verbrauch von Erneuerbarer Energie werden mehr und mehr in einem räumlichen Zusammenhang zusammengeführt. Das nennen die Studienautoren unter der Leitung von Fabian Zuber Vor-Ort-Strom. Während heute unter einem Prozent der Kilowattstunden direkt vor Ort vom Produzenten an den Konsumenten geliefert werden, ist zu erwarten, dass dieser Anteil im zukünftigen Marktsystem enorm ansteigt. Vor-Ort-Strom beleuchtet die wachsende Bedeutung von Versorgungskonzepten wie dem Eigenverbrauch, Mieterstrom, Quartiersstrom oder Regionalstrom. Merkmal dieser neuen Energiewelt ist, dass räumliche Nähe und die subsidiäre Vernetzung vor Ort – also die Verknüpfung von Erzeugung und Verbrauch „vor dem Zähler“ oder „vor dem Netzengpass“ – zunehmend zu entscheidenden Kriterien im Strommarkt werden.

Lösungen dieser Art hat die Bundesregierung nicht im Blick. Das Mieterstromgesetz wurde zwar verabschiedet. Aber auch hier haben Union und SPD erneut darauf hingewirkt, den Mieterstromausbau eher zu bremsen und zu bürokratisieren, statt schnell das Potential zu nutzen. Dennoch sollten nun viele Mieter und Vermieter daran arbeiten das neue Gesetz mit viel Solarstrom für die Mieter zu nutzen.

Die Studie der Haleakala Stiftung gibt die Erkenntnisse und Empfehlungen wieder, die seit Anfang 2016 in einem Think-Tank-Prozess von 50 Energiemarktexperten erarbeitet wurden. In den Bericht ist auch meine Empfehlung für eine EEG-Kombikraftwerksvergütung eingeflossen. Sie ist genau das politische Instrument, um viele dezentrale Objekte mit 100% Energieversorgung auf den Weg zu bringen. 

Die Stärkung der räumlichen Eigenschaft von erneuerbarem Strom und die Integration der Vor-Ort-Stromversorgung in den Markt ist die entscheidende Chance für das Gelingen der Energiewende. Es wird höchste Zeit, diese Erkenntnis endlich in politisches Handeln umzumünzen, statt wie aktuell von Union und SPD praktiziert, die Bürgerenergien immer mehr unter Druck zu bringen. 

 

Darüber hinaus hat Energy Brainpool eine neue Studie vorgelegt, wo gezeigt wird, dass die Zeiten der kalten Dunkelflaute auch mit 100% Erneuerbaren Energien kostengünstig überwunden werden können.

Mit kalter Dunkelflaute ist gemeint, dass eine geringe Stromproduktion aus Wind und Solar („Dunkelflaute“) auf einen witterungsbedingt hohen Stromverbrauch trifft („kalte“), Zeiträume, wie sie in Deutschland im November bis Januar manchmal für Wochen vorliegen können. Die derzeitigen Pläne der Bundesregierung reichen nicht aus, um ein solches Phänomen mit 100 % Erneuerbaren Energien im Netz zu überdauern, die Versorgungssicherheit wäre dann nicht mehr voll gesichert, weshalb viele immer noch davon sprechen, dass man Erdgas oder Kohle für die Versorgungssicherheit benötigen würde.

Energy Brainpool hat nun ein Stromsystem entwickelt, das während einer kalten Dunkelflaute die Versorgungssicherheit sicherstellen kann. Die Lösung ist die Kraftwärmekopplung mit nachhaltig erzeugtem Windgas (Power-to-Gas) und Biogas. Dieses grüne Gas wird in Zeiten hohen Wind- und Solarstromüberschusses erzeugt und in den großen bereits vorhandenen Gasspeichern gespeichert, um den Bedarf auch in längeren Dunkelflautenzeiten decken zu können.

Die Kosten eines solchen Systems liegen nicht signifikant höher als die heutigen Strompreise, sollte sich die Kostendegression bei den Erneuerbaren Energien so schnell fortsetzen, wie sie es momentan tut, könnte der Preis sogar noch unter das heutige Niveau sinken.

Immer wieder behaupten Stimmen, ein 100% Erneuerbare Energien Stromsystem sei nicht sicher oder nicht bezahlbar. Dies ist mit dieser Studie widerlegt. Nun ist die Bundesregierung gefragt, entsprechende Schritte einzuleiten, um die nötige Infrastruktur für grünes Gas großflächig aufzubauen. So kann die Versorgungssicherheit künftig gewährleistet werden und eben nicht mit dem Ausbau neuer milliardenschwerer Erdgasinfrastruktur, wie neue Ostseepipileine für russisches Erdgas, z.B. die neue Ostseepipeline Northstream II.

 

Berlin, den 01. Juli 2017

Ihr Hans-Josef Fell


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