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Kasachstan könnte sich leicht zu 100% mit Erneuerbaren Energien versorgen

Eine neue Studie der LUT belegt, dass sich das Erdöl- und Erdgasland Kasachstan auch aus ökonomischen Gründen mit 100% Erneuerbarer Energien versorgen kann. Prof. Dr. Christian Breyer von der finnischen Universität Lappeenranta (LUT), zugleich wissenschaftlicher Leiter der Energy Watch Group, legte mit seinem Team eine entsprechende Studie vor.

Vorgestellt auf dem Astana Economic Forum, welches dieses Jahr ganz im Zeichen der vor wenigen Tagen eröffneten EXPO 2017 in der Hauptstadt Kasachstans steht, erregte die Studie dort Aufmerksamkeit. Die EXPO 2017 steht unter dem Thema „Zukunftsenergie“, wobei insbesondere die Erneuerbaren Energien im Mittelpunkt stehen. Das weite menschenarme riesige Steppenland Kasachstan in Zentralasien ist sehr reich an Solar- und Windressourcen.  

Die heutigen Stromgestehungskosten könnten während der Energiewende in Kasachstan sogar leicht sinken und dennoch kann der Komplettumbau des Stromsektors finanziert werden. Die schnell alternden Kohlekraftwerke müssen daher in den kommenden 15 Jahren zügig mit Windkraft und Photovoltaik ersetzt werden, flankiert mit Tages- und Saisonspeichern. Der „Green Concept“ Plan der kasachischen Regierung sieht 50% Erneuerbare Energien im Jahr 2050 vor, es könnten aber schon über 90% zwischen 2030 und 2040 erreicht werden, eine ambitionierte Energiepolitik vorausgesetzt.

Obwohl Kasachstan die Erneuerbaren Energien auf der Expo in den Mittelpunkt rückt, beharrt die Energie- und Wirtschaftspolitik immer noch auf Erdöl, Erdgas und Kohle. Obwohl Kasachstan auch erst im Herbst 2016 die Weltkonferenz zur Abschaffung der Atomwaffen ausrichtete, ist in den letzten Jahren Kasachstan sogar zum weltgrößten Uranförderer geworden.

Die Förderung und Nutzung der atomaren und fossilen Rohstoffe verschwendet und verschmutzt große Wasserressourcen und verschärft somit die ökologischen Probleme in Kasachstan erheblich. Das größte Problem ist zugleich die Wasserarmut, die bedingt durch eklatante Fehler im Wassermanagement zum Austrocknen des Aralsees führte. Erneuerbare Energien würden alleine schon über das Verringern des Bergbaus erheblich zur Wasserschonung beitragen. Zusätzlich müssten heutige Kohlekraftwerke kein Kühlwasser mehr verdunsten.

Dennoch ist die politische Führung des Landes immer noch voll in der Denkweise der fossil/atomaren Wirtschaft verhaftet. Trotz des Erneuerbare Energien Schaufensters Expo 2017, trotz des Solar- und Windreichtums, trotz der sehr niedrigen Solar- und Windkosten gibt es aktuell noch kaum größere Investitionen in Erneuerbare Energien.

Es bleibt zu hoffen und viele sollten daran arbeiten, dass die EXPO 2017 den Verantwortlichen in Kasachstan die Augen öffnen, dass die Erneuerbaren Energien auch ökonomisch die bessere Lösung für das Land sind. Insbesondere auch die großen wirtschaftlichen Verwerfungen in Kasachstan nach dem Verfall des Ölpreises könnten dafür ein Ansporn sein. Die 100% Studie Kasachstan der LUT ist hierfür sehr hilfreich. Die Energy Watch Group wird auch auf weiteren Veranstaltungen der EXPO 2017 dafür werben.

 

Berlin, den 20. Juni 2017

Ihr Hans-Josef Fell 


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