Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Aus Vorsorgegründen muss E.ON den Reaktor Grafenrheinfeld sofort runterfahren und die betroffene Leitung austauschen. Falls es tatsächlich zu einem Bruch der Leitung kommen würde, müsste mit einem Störfall der Meldestufe 3 gerechnet werden, was die radioaktive Verseuchung der Anlage bedeutet.

Es ist unverantwortlich, dass E.ON ein solches Risiko noch bis zur nächsten Prüfung im März eingehen will. Das Vertrauen in die Betreiber von Atomanlagen ist längst erschüttert. So wurden in der Vergangenheit immer erst im Nachhinein gravierende Sicherheitsmängel zugegeben, wie zuletzt in Fossmark, in Brunsbüttel sowie Philippsburg II.

 


Mit über sechs Monaten Verzögerung meldete E.On einen möglichen Riss in einer Leitung im inneren des Reaktors des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld. Die Beantwortung unsere Fragen im Umweltausschuss: „Wie konnte es zu solch einer langen Verzögerung kommen? Warum wurde die gemessene Abweichung nicht präventiv sofort gemeldet, damit der Sache auf den Grund gegangen werden kann? Wie kann man ohne die Ursache zu kennen die Sicherheitsrelevanz bewerten?", wurden weder vom Bundesumweltministerium noch vom Bayrischen Umweltministerium befriedigend beantwortet.

Es bleibt eine große Unruhe über den Sicherheitsstandard in Grafenrheinfeld, da unbekannt ist, wie die Schnelligkeit des Risswachstums durch das Fahren im Lastfolgebetrieb und durch die Schnellabschaltung beschleunigt wird. Diese Besorgnis gilt übrigens auch für andere Reaktoren.

Meine sicherheitsrelevanten Detailfragen konnten die Experten der beiden Ministerien in der Umweltausschusssitzung nicht beantworten. So wurden zum Beispiel bei der letzten Revision unerwartet große Mengen radioaktiven Eisen, Chrom und Nickel in den Rohrleitungen gefunden. Auf die Frage, ob die nicht ein Hinweis auf eine stärkere Erosion in den Kühlleitungen bedeute, gab es nur Achselzucken, genauso wie auf die Frage, ob die Schnellabschaltung vom 30. September 2010 zu einer Beschleunigung der Rissbildung in der Leitung führte.

Berlin, den 19.01.2011

Ihr Hans-Josef Fell


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