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Infobrief 17/2015 |Jahrestreffen der Klima- und Energie Modellregionen in Wien | Kritik an der Energieeffizienzpolitik

  • Jahrestreffen der Klima- und Energie Modellregionen in Wien
  • Kritik an der Energieeffizienzpolitik

 

100% Erneuerbare Energien Bewegung wächst immer weiter: Jahrestreffen der Klima- und Energie Modellregionen in Wien

Mit über 200 Teilnehmern fand diese Woche das Jahrestreffen der Klima- und Energie Modellregionen (KEM) Österreichs statt.

Die 2009 gegründete Initiative umfasst 104 Regionen Österreichs mit insgesamt 2,5 Mio. Menschen in 1.070 Gemeinden. Über 2.000 Projekte wurden bisher erfolgreich umgesetzt, die auf das Ziel einer Vollversorgung mit 100% Erneuerbaren Energien und weitere Klimaschutzaktivitäten ausgerichtet sind.

In meinem Gastbeitrag hob ich die große Bedeutung der Initiativen hervor. Die vielfältigen bürgerlichen Aktivitäten gleichen oftmals politische Handlungsdefizite aus. Unter nicht optimalen politischen Bedingungen sind es heute in Österreich, ähnlich wie in Deutschland, gerade Energiegemeinschaften und andere regionale und lokale Aktivitäten, die die Umstellung der Energieversorgung hin zu den Erneuerbaren Energien vorantreiben. Diskutiert wurde auch der Beitrag der Erneuerbaren Energien und anderer Klimaschutzaktivitäten für die langfristige Fluchtursachenbekämpfung – ein Thema, welches aktuell auch Wien in Atem hält.

Neben dem Klimaschutz sind es vor allem das Bestreben nach Energieunabhängigkeit und die Erhöhung der regionalen Wertschöpfung, die die vielen Menschen in den Regionen antreibt, immer neue Projekte erfolgreich anzugehen. Bestätigt werden diese Ansätze durch eine neue Studie des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) im Auftrag von Bündnis Bürgerenergien e.V und Greenpeace Energy e.G. Nach dieser Studie wurden in Deutschland mit Bürgerenergieprojekten über 110.000 Vollzeitarbeitsplätze geschaffen oder erhalten und alleine in 2012 eine Wertschöpfung von 5,3 Mrd. Euro generiert.

Die IZES Studie zeigt eindrucksvoll auf, wie positiv für die gesamte gesellschaftliche Entwicklung die Bürgerenergiebewegungen sind. Vielleicht schaffen es diese klaren wissenschaftlichen Belege in Berlin endlich ein Umdenken herbeizuführen, um die Bürgerenergiebewegung wieder zu unterstützen, statt sie wie in den letzten Jahren unentwegt zu untergraben.

Ein Faktenblatt zur Studie finden Sie hier

 

Neue Heizkesselstandards der EU: Wie der politische Vorrang der Energieeffizienzpolitik von einer Politik für Erneuerbare Energien ablenkt

Ab diesem Monat dürfen in der EU neue Heizungen nur noch mit Brennwertstandard eingebaut werden. Viele Umweltpolitiker feiern diesen Durchbruch für höhere Effizienzstandards als großen Erfolg für den Klimaschutz.

Doch schauen wir uns an, was der jahrelange Einsatz für mehr Energieeffizienz für Heizkessel wirklich bringt: Mehr CO2-Einsparung als der Emissionshandel insgesamt, loben Umweltpolitiker. Das mag wohl sein, nur: Ist das wirklich ein gutes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass der Emissionshandel ja so gut wie Nichts für den Klimaschutz erbringt?

Nun bringt ein neuer Brennwertkessel gegenüber einer alten Erdöl- oder Erdgasheizung vielleicht 30 % Energie- und Emissionseinsparung. Das bedeutet, dass nun über Jahre hinweg alte Öl- und Gasheizungen durch neue Erdöl- und Erdgasheizungen mit etwas weniger Emissionen ersetzt werden. Diese werden dann meist 20 Jahre lang betrieben, womit über 70% der bisherigen Emissionen jahrzehntelang festgeschrieben werden. Natürlich können statt Erdöl- und Erdgas auch Heizungen mit Erneuerbaren Energien die neuen EU Normen erfüllen, doch nur wenige Hausbesitzer werden sie einbauen, vor allem nicht beim heutigen niedrigen Erdölpreis. Die Nutzung von Erdöl und Erdgas im Heizungssektor wird also über Jahrzehnte auf hohem Niveau zementiert, allen Bemühungen für Klimaschutz und für mehr Unabhängigkeit von Energieimporten zum Trotz – und dies im Heizungssektor, der immerhin 25% der EU weiten CO2-Emissionen verursacht.

Mit dieser neuen EU-Energieeffizienzmaßnahme werden also inakzeptabel hohe Niveaus der CO2-Emissionen aufrechterhalten und die Absatzmärkte der Erdöl- und Erdgaswirtschaft geschützt. Hier zeigt sich besonders, dass ein ausschließlicher Einsatz für Energieeffizienz sogar negative Effekte für den Klimaschutz mit sich bringen kann. Hätten sie sich konsequent in den vielen zurückliegenden Jahren für Nullemissionsheizungen mit Erneuerbaren Energien eingesetzt, hätten wir heute wohl eine EU-Richtlinie dafür, der Heizungssektor würde sich in den nächsten 20 Jahren den Nullemissionen nähern; eine stärkere Unabhängigkeit von Energieimporten würde erreicht und die finanzielle Haupteinnahmequelle des Islamischen Staates (IS) würde allmählich gestoppt.

Es wird Zeit, dass Umweltpolitiker endlich an einem Strang ziehen und die Umstellung auf Erneuerbare Energien als Nullemissionsziel als vorrangige Aufgabe sehen und die Energieeffizienz als wichtige Begleitmaßnahme dafür, aber nicht als Ersatz für die Umstellung auf Erneuerbare Energien.

Berlin, den 18. September 2015

Ihr Hans-Josef Fell


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