Infobrief 10/2015

Inhalt

• Aus Angst um die Existenz: Ölkonzerne schlagen plötzlich Klimaschutzaktivitäten vor

• Seehofers Energiewende-Blockade in der internationalen Presse

• Das Interview über die Energiewende

 

Aus Angst um die Existenz: Ölkonzerne schlagen plötzlich Klimaschutzaktivitäten vor

Sechs große Öl- und Gaskonzerne (Shell, BP und BG Group aus Großbritannien, Total aus Frankreich, Statoil aus Norwegen und Eni aus Italien) schlagen plötzlich eine feste Kohlenstoffsteuer vor, anstelle der Fortführung des Emissionshandels. Dies wäre in der Tat eine wirksame Klimaschutzmaßnahme – im Gegensatz zu dem völlig wirkungslosen Emissionshandel.

Die Frage ist nur, ob die Konzerne es ernst meinen oder nur Schadensbegrenzung für ihre Geschäfte mit der Klimazerstörung im Sinn haben. Angesichts der Tatsache, dass die weltweite fossile Energiewirtschaft immer noch Jahr für Jahr einige tausend Milliarden US-Dollar in die Erschließung neuer fossiler Rohstoffquellen steckt, ist die Ansage der sechs Konzerne wenig glaubwürdig. Wirklich wirksamer Klimaschutz wäre es, die Investitionen der Öl- und Gaskonzerne in Fracking, arktische Ölbohrungen, Tiefseeöl etc. zu beenden und in Erneuerbare Energien umzulenken. Doch davon hört man von Seiten der Konzerne nichts. BP hatte sich mal den Namen „Beyond Petroleum“ gegeben, doch auch davon ist nichts mehr zu sehen.

Der Grund für ihren plötzlichen Klimaschutzvorschlag liegt wohl wo anders: Immer weiter greift die Erkenntnis über die Carbon Bubble, die nächste Finanzblase, um sich. Immer mehr Finanzinvestoren steigen aus Beteiligungen der fossilen Energiewirtschaft aus oder gehen keine Neuen mehr ein.

Da kommen offensichtlich auch die großen Mineralölkonzerne ins Grübeln, ob die großen Renditen, die sie über Jahrzehnte hinweg scheffelten, auch in Zukunft noch sprudeln werden. Vor allem die drohenden Klimaschutzaktivitäten machen ihnen offensichtlich Sorgen. Wenn auf der kommenden Weltklimaschutzkonferenz im Dezember in Paris nun entgegen allen Erwartungen doch Beschlüsse gefasst würden, das zwei Grad Ziel anzustreben (was im Übrigen für einen wirksamen Klimaschutz immer noch unzulänglich ist), dann wären auf einen Schlag die größten Mengen der noch unerschlossenen Erdöl-, Erdgas- und Kohlereserven finanziell nichts mehr wert. Doch genau sie sind es, die der weltweiten Finanzwirtschaft als Sicherheit für weitere Investitionen gelten. Mit einem Schlag würden für die fossilen Konzerne existenzbedrohende finanzielle Unsicherheiten entstehen.

Daher ist es leider offensichtlich, dass die Öl- und Gaskonzerne mit ihren Vorschlägen bloß einem stärkeren Klimaschutzabkommen den Wind aus den Segeln nehmen wollen, um weiterhin große Geschäfte mit der Klimazerstörung zu machen.

Die Vorschläge der Ölkonzerne können Sie hier nachlesen.

 

Seehofers Energiewende-Blockade in der internationalen Presse

Die Blockade der bayerischen Staatsregierung gegen den Atomausstieg und die Energiewende scheint allmählich auch im Ausland aufzufallen. Lesen Sie hier den englischen Artikel aus dem britischen Magazin Recharge von Bernd Radowitz.

 

Hans Josef Fell – Das Interview über die Energiewende

Frank Farsenski von newslab hat ein umfassendes Interview mit mir geführt, in dem ich ausführlich verschiedenste Aspekte der Energiewende erläutere und mich zu aktuellen Entwicklungen äußere. Das Interview können Sie sich unter dem folgenden Link anschauen.

 

Berlin den 05.06.2015

Ihr Hans-Josef Fell


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Energy Watch Group (EWG) is an international network of scientists and parliamentarians. The EWG conducts research and publishes independent studies and analyses on global energy developments. Our mission is to provide energy policy with objective information.

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