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Donnerstag, 09. Juli 2009
Kirche muss selbst mehr zur Bewahrung der Schöpfung beitragen PDF Drucken E-Mail
Die neue Sozialenzyklika des Papstes nimmt MdB Hans-Josef Fell aus Hammelburg zum Anlass, erneut mehr Anstrengung der Kirche bei Klima- und Umweltschutz einzufordern. Energie- und Umweltpolitiker Fell: „Zu Recht mahnt die Kirche die Bewahrung der Schöpfung an und hat der Papst in seiner Enzyklika eine neue Weltordnung gefordert und blindes Gewinnstreben gegeißelt.“ Doch seit Jahrzehnten habe die katholische Kirche selbst in weiten Teilen versäumt aktiv zur Bewahrung der Schöpfung bei zu tragen. MdB Fell: „Mit dem Argument, Erneuerbare Energien und Energieeinsparung seien zu teuer, hat die Kirche meistens in klimaschädliche Energieanlagen investiert.“

Im Vatikan und den weitaus meisten kirchlichen Liegenschaften werden klimaschädliche, CO2-emittierende fossile Energiequellen, sowie Atomstrom genutzt und mögliche Energieeinsparung in Gebäuden nicht verwirklicht. Es gebe rühmliche Ausnahmen, wie das Kloster Münsterschwarzach oder die Solaranlage im Vatikan, so MdB Fell. Doch an einer wirklichen ökologischen Umorientierung und Neuausrichtung der katholischen Kirche fehle es bislang, trotz vielfältiger Initiativen und Bemühungen kirchlicher Umweltbeauftragter und ökologisch engagierter Christen.

Selbst beim Neubau werde oft nicht das getan, was möglich und wichtig sei, wie das Beispiel des neuen Pfarrzentrums in Hammelburg zeige, bei dem keine ökologische Heizungsvariante gewählt wurde, so MdB Fell. Deshalb mache er nun seinen bislang noch unbeantworteten Brief an das Bistum Würzburg vom 8. Juni 2009 öffentlich [Auszüge nachfolgend]. Hans-Josef Fell: „Ich will die Kirche in den Bayerischen Bistümern unterstützen und ermutigen, auf dem Weg zu konsequenter Energieeinsparung und Umstellung auf Erneuerbare Energien voran zu kommen.“

[Auszüge aus dem Brief von MdB Fell an das Bistum Würzburg vom 8. Juni 2009:

… [man] hat sich an mich gewandt, mit der Bitte um Unterstützung für eine ökologische Heizung im neuen Pfarrzentrum zu verwirklichen.
[…]
Mit großem Bedauern erfahre ich nun, dass die Diözese Würzburg diesem Anliegen nicht gerecht werden will.
Darüber bringe ich hiermit mein Unverständnis zum Ausdruck.
Vor allem zwei Gründe sind es, die in der heutigen Zeit bei Sanierungsmaßnahmen die ökologische Heizungsvariante zwingend erforderlich machen:

- Zu Recht legen die Kirchen auch einen theologischen Schwerpunkt auf die Bewahrung der Schöpfung. Allerdings kann die Schöpfung nur bewahrt werden, wenn umfänglich und flächendeckend entsprechende Handlungen erfolgen. Die entscheidende Schöpfungsherausforderung ist die Klimaveränderung. Die rasant fortschreitende Erderwärmung hat ihre Ursache in der Nutzung der fossilen Rohstoffe Erdöl, Erdgas und Kohle. Eine weitere Nutzung dieser Brennstoffe wird die weitere Zerstörung der Schöpfung zur Folge haben. Es ist daher erforderlich, dass gerade auch Kirchen in ihrem Verantwortungsbereich aktiven Klimaschutz betreiben und Heizungsanlagen auf der Basis Erneuerbarer Energien investieren, so wie es gerade auch in einer vorbildlichen Erklärung das Zentralkomitee der deutschen Katholiken gefordert hat. Die vorgesehene Erdgasheizung, noch dazu ohne die Möglichkeit der gleichzeitigen Stromerzeugung über Kraft-Wärme-Kopplung, wird diesem Anliegen nicht gerecht.

- Auch aus finanziellen Gründen sind Investitionen in Heizungsanlagen mit fossilen Brennstoffen nicht mehr tragfähig. Die Heizkostensteigerungen der letzten Jahre belasten bereits sehr viele Kirchengemeinden. Diese Belastungen werden in den kommenden Jahren enorm steigen, da die Knappheit der fossilen Rohstoffe in den kommenden Jahren weitere rasante Preissteigerungen erwarten lassen. Einziger Ausweg ist der Umstieg auf kostenlose Brennstoffe der Natur, wie Sonnenstrahlen, Wind, Wasser oder Erdwärme. Auch Energieeinsparungsmaßnahmen reduzieren die kommenden Energieausgaben. Wer allzu kurzsichtig heute noch in alte Technologien wie Erdgasheizungen investiert, schafft damit die Grundlage für zunehmende finanzielle Nöte der Nutzer. Die steigenden Energiekosten der kommenden Jahre werden die finanziellen Spielräume zum Beispiel für seelsorgerische Aufgaben der Pfarrgemeinde deutlich einschränken. Bei meiner letzten Reise zu den Erdgasfeldern nach Russland, verbunden mit intensiven Diskussionen mit Gazprom, wurde mir erneut deutlich vor Augen geführt, dass sich Europa auf dem Weg in schnelle Erdgasversorgungsengpässe befindet. So ist die Warnung von Ex-Präsident Putin ernst zu nehmen: „Die Zeiten des billigen Erdgases sind vorbei.“

[…], ich bitte Sie die Entscheidung für die Heizungsanlage des neuen Pfarrzentrums in Hammelburg zu revidieren und dem Anliegen der Pfarrgemeinde nach Sonnenkollektoren und Regenwassernutzung zu folgen.

Ich erinnere mich sehr gerne an die gemeinsame Grundsteinlegung im Kinderdorf Riedenberg. Mit vielen Worten haben wir gemeinsam die vorbildliche ökologische Sanierung - vorgenommen - durch die Caritas gewürdigt. Diese Art der ökologischen Sanierung muss Standard werden und darf nicht Ausnahme für die Liegenschaften der Diözese sein. Positive Beispiele, wie das Pfarrhaus in Langendorf oder die Kirche in Gräfendorf, dürfen keine Einzelfälle bleiben. Alles andere wird der Verantwortung der Diözese zur Bewahrung der Schöpfung nicht gerecht und würde zudem in immer größere finanzielle Engpässe infolge von Preissteigerungen für konventionelle Energien führen. Auch das leuchtende Beispiel des Klosters Münsterschwarzach sollte Maßstab für die Investitionen der Diözese sein.

Gerne bin ich bereit mit ihnen auch ein persönliches ausführliches Gespräch über die Möglichkeiten und die Handlungsverantwortung zur Bewahrung der Schöpfung zu führen.

In der Hoffnung auf Ihre Bereitschaft, die katholische Pfarrgemeinde Hammelburg entsprechend zu unterstützen, verbleibe ich, mit freundlichen Grüßen

Hans-Josef Fell MdB]
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Hans-Josef Fell spricht über Umweltpolitik auf der BDK im November 2007